Führerschein und Cannabis (2) – Aussagen zum Konsumverhalten

Veröffentlicht am 23. Juli 2013
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Wie immer gilt: Macht KEINE Aussage! Überall erklärt, trotzdem machen es viele falsch. Deshalb mal 3 traurige Praxisfälle der letzten Zeit:

1.  Person 1 hat kurz vor der Fahrt konsumiert, im Rahmen der Kontrolle war er eingeschüchtert und wollte das nicht zugeben. Deswegen erfand er die Ausrede, daß der letzte Konsum 2 Wochen her ist.

2. Person 2 hat das letzte mal 2 Tage vor der Fahrt konsumiert und konsumiert so gut wie nie. Da die Rauschwirkung nicht so lange anhält und er Teilnahme am Straßenverkehr und Konsum trennen kann, gab er wahrheitsgemäß an, vor 2 Tagen das letzte mal konsumiert zu haben.

3. Person hatte 3 Tage vor der Fahrt das letzte Mal konsumiert machte aber keine Aussage dazu. Der Polizei gegenüber äußerte noch, daß er das mal mit 18 probiert habe aber dann nie wieder etwas damit zu tun hatte.

Alle 3 hatten, trotz der Pausen von Person 2 und 3 eine aktiven THC Wert von über 1,0 ng/ml, logischerweise war der Wert bei Person am höchsten.

Die zuständige Führerscheinstellen forderten bei allen 3 Person die Entziehung der Fahrerlaubnis bis mittels einer MPU die Eignung für die Teilnahme am Strassenverkehr belegt werden kann.

Die Begründung beruhte i auf § 14 I S.4 FeV und Anlage 4 Nr.9.22 zur FeV. §14 FeV und Anlage 4 9.2.2 FeV.

Die Beibringung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens kann angeordnet werden, wenn gelegentliche Einnahme von Cannabis vorliegt und weitere Tatsachen Zweifel an der Eignung begründen.“

„Weitere Tatsachen“ war in allen 3 Fällen das mangelnde Trennungsvermögen zwischen Teilnahme am Straßenverkehr und dem Konsum von Cannabis. Dieses war deswegen erfüllt, weil alle 3 Personen einen aktiven THC Wert von über 1,0 ng/ml hatten.  Obwohl Person 2 und 3 offensichtlich trennen konnten, denn deren Konsum lag soweit zurück, dass die Rauschwirkung nicht mehr andauern konnte und auch nicht von einem Drogenresteffekt auszugehenwar, sieht die Führerscheinstelle das anders: Sobald man einen THC Wert von über 1,0 ng/ml hat, ist man nicht mehr in der Lage zu trennen. Der Grund ist, daß man hier immer noch mit veralteten Erkenntnissen arbeitet und davon ausgeht, daß jemand der eüber diese Grenze liegt, mindestens 24 stunden vorher konsumiert haben muß. Im Artikel zu den Nachweiszeiten (link) sind Studien erwähnt die das Gegenteil belegen. Weiterhin ist bekannt, daß die Rauschwirkung unter 12 Stunden liegt und selbst beim Drogenresteffekt nur von maximal 12- 24 Stunden (Pope 1995, Solowij 1998) ausgegangen werden kann.  Dieser Grenzwert ist somit, wissenschaftlich belegt, nicht haltbar!

In diesem Artikel soll es aber nicht um diese schreiende Ungerechtigkeit gehen, sondern darum wie man sich mit einer vermeintlich harmlosen Aussage reinreiten kann. Alle 3 hätten nämlich gute Chancen gehabt den Führerschein zu behalten, hätten sie den einfachen Satz geäußert: „Dazu mache ich keine Aussage!“

Da mangelndes Trennungsvermögen bei allen 3 belegt war, ging es nur um eine Frage: „Liegt gelegentlicher Konsum vor?“
Um dieses festzustellen gibt es eigentlich nur ein probates Mittel: Man schaut auf den THC-CooH Wert (Abbauwert). Ist dieser sehr hoch, muß man von gelegentlichem Konsum ausgehen.  Alle 3 Personen lagen unter dem gängigen Werten  . Ergänzend soll erwähnt werden, daß es verschiedene Tabellen und Grenzwerte dazu gibt. Person 2 hatte sogar einen so niedrigen Wert, daß dieser fast nicht mehr meßbar war.

Leider brauchte man in allen Fällen nicht auf den THC-COOH Wert schauen, denn alle 3 hatten eine Aussagen gemacht. Die Begründung für den Entzug (bis zur Erbringung einer MPU) ergab sich dann so:

1. Person 1 hatte fälschlicherweise angegeben das letzte mal vor 2 Wochen geraucht zu haben, um nicht dazustehen wie jemand der sich vor der Fahrt bekifft und nicht trennen kann. Für die Führerscheinstelle war damit der Fall klar: Da man keine 2 Wochen einen aktiven THC Wert im Blut haben kann, muss er mindestens 2 mal gekifft haben. Das ist gelegentlicher Konsum. Die böse Ironie daran ist, dass Person 1 gute Chancen gehabt hätte den Führerschein zu behalten, wenn er gesagt hätte, daß er sich direkt vor der Fahrt „breit gekifft“ hat (und sonst natürlich nichts).

2. Person 2 hat auf den ersten Blick alles richtig gemacht und ist kein Problemkonsument. Leider stand im Toxikologischen Gutachten folgender Satz: „Der letzte Konsum muß mindestens 24 stunden zurückliegen“.  Da der Konsum aber, laut Angabe, 48 Stunden zurücklag, muß aus Sicht der Führerscheinstelle mindestens 2 mal konsumiert worden sein. Das ist kein einmaliger Konsum, sonder gelegentlicher Konsum. Daß die Wissenschaft was anderes sagt, spielt in dem Fall keine Rolle, denn die Führerscheinstelle verläßt sich natürlich auf den Gutachter. Somit konnte eine Entziehung bis zur Erbringung einer MPU angeordnet werden.

3. Person 3 hat den Konsum nicht eingeräumt. Da der zuständige Beamte aber nett war, und sich Person 3 bei diesem anbiedern wollte, mußte er noch einen Schwank aus seiner Jugend erzählen. Auch hier lag dann gelegentlicher Konsum vor, denn er hatte als Jugendlicher damit zu tun und jetzt wieder, somit konnte man nicht von einmaligem Konsum ausgehen. Mit seinem aktiven Wert hatte er belegt, daß er kürzlich konsumiert hatte.

Ich hoffe die 3 Beispiel machen deutlich, warum man die Klappe halten soll! Die Polizei hat mit all der Problematik gar nichts zu tun und ist dafür nicht zuständig. Die erzählen oft, daß da nichts schlimmes passiert wenn man nicht direkt vor der Fahrt gekifft hat und man es doch zugeben könne, wo der Urintest (den ihr immer verweigern solltet!) doch eh positiv war usw usf. etc. pp. ad nauseam. Einfach KEINE Angaben zum Konsumverahlten machen.

Wenn ihr nichts sagt, bedeutet das nicht, daß ihr automatisch um eine MPU herumkommt, es gibt andere Tricks wie man euch ficken kann. Aber ihr habt zumindest eine gute Chance!

Wir haben auch einige Tricks auf Lager, die wir hier aber nicht publik machen können, denn schließlich muß man davon ausgehen, daß der Feind mitliest.

#TLDR: Fresse halten und danach uns kontaktieren!

117 Responses to “Führerschein und Cannabis (2) – Aussagen zum Konsumverhalten”

  1. Das A Says:

    Hey leute….
    Bin dauerkonsument und bräuchte da ich keine rechtsschutz hab und nächsten Freitag zur Polizei muss dringend einige Ratschläge wie ich mich bestenfalls verhalte…oder ob schon wegen den dingen die ich gesagt hab als ich angehalten wurde , alles verloren ist…
    Darf ich vllt um.ne emailadresse bitten mit evtl. Nem Juristen der mir n paar tipps geben kann? Die Betreiber dieser Seite sind natürlich als erstes gefragt.

    Danke für die Aufmerksamkeit

    Das A

  2. P Says:

    Hallo,
    Ich bräuchte ebenfalls ihren Rat, wurde letzte Woche von der Polizei angehalten.

    Mfg P

  3. gruenehilfebw Says:

    Dazu musst du eben anrufen

  4. ALJ Says:

    Hallo ich hatte im Februar eine Kontrolle im Auto in zuge dessen wurde mir Urin und dann Blut abgenommen meine Werte sind 0,8 aktiv und 7,3 CooH jetzt kam von der Fsst eine Einladung zu einem fachärztlichen Guthaben ich habe in meiner Unwissenheit vor der Polizei ausgesagt das ich schon ab und zu mal konsumiere. Seit dem natürlich absolut abstinent.

    Was wird mir blühen ??
    Danke für die Hilfe

  5. Nuri Says:

    Hallo , ich wurde von der polizei gerade eben angehalten . Ich habe vor 3 stunden geraucht gehabt . Ich konnte kein urin test machen , deshalb nahmen sie mich mit auf die station. ich habe leider gesagt dass ich vor paar tagen geraucht habe aber genaue angaben kann ich nicht geben sagte ich , weil ich keine falschaussage am hals haben wollte.
    sie haben mich gepackt und dazu gezwungen blutprobe zu machen , obwohl ich gesagt habe das ich es nicht möchte . ich uterschrieb die freiwillihkei nicht. letzt endlich nahmen sie mir das blut und liesen mich gehen.

    ich bin in der probezeit die auf 4 jahre verlängert wurde . was wird auf mich zukommen ? Bitte um ratschläge .VIELEN DANK IM VORRAUS . !!

    lg nuri

  6. Lilli Says:

    Hey,
    Habe eine relativ schnell zu beantwortende Frage und denke, hier könnte ich schnell eine verlässliche Antwort bekommen.

    Für einen Personenbeförderungsschein werden folgende Nachweise verlangt:
    – ärztliche Eignungsuntersuchung nach Anlage 5 Nummer 1 der Fahrerlaubnis-
    Verordnung
    – „Leistungstest“ nach Anlage 5 Nummer 2 der Fahrerlaubnis-Verordnung

    Dazu wird eine Urinprobe entnommen und untersucht.
    Besteht die Möglichkeit, dass das Urin zusätzlich auf Drogenkonsum „untersucht/getestet“ wird?
    Mittwoch ist es soweit …

    Vielen lieben Dank im Vorraus,
    Superklasse dass es gruene-Hilfe gibt !

  7. F Says:

    Hab das gleiche Problem wie jeder hier hab aber keine Angaben gemacht. Bräuchte jetz weitere Tipps und wäre erfreut wenn mir welche per e-Mail geschickt werden könnten.

  8. John Says:

    Guten tag
    Ich wurde gestern von der Polizei angehalten, die haben mich direkt auf rote Augen angesprochen obwohl ich an dem tag nicht geraucht habe, bin Dauer Konsument (abends 2-3 rauche ich ungefähr) habe sämtliche Tests abgelehnt und auch alles abgestritten, wurde d
    ann mit auf die wache genommen und quasi zur Blutabnahme gezwungen worden. Was wird mich nun erwarten ist der Führerschein komplett weg oder nur über einen gewissen Zeitraum ? Das Bußgeld ist zweitrangig,
    wichtig ist ob der Lappen komplett weg ist, würde mich über eine Antwort freuen.

  9. John Says:

    Guten tag
    Ich wurde gestern von der Polizei angehalten, die haben mich direkt auf rote Augen angesprochen obwohl ich an dem tag nicht geraucht habe, bin Dauer Konsument (abends 2-3 rauche ich ungefähr) habe sämtliche Tests abgelehnt und auch alles abgestritten, wurde dann mit auf die wache genommen und quasi zur Blutabnahme gezwungen worden. Was wird mich nun erwarten ist der Führerschein komplett weg oder nur über einen gewissen Zeitraum ? Das Bußgeld ist zweitrangig, wichtig ist ob der Lappen komplett weg ist, würde mich über eine Antwort freuen.

  10. gruenehilfebw Says:

    @John: Kommt darauf an. Zur not mich anrufen – so pauschal kann ich das nicht beantworten, aber Du musst natürlich mit dem Entzug rechnen.

  11. Tobster Says:

    Hallo in die Runde, ich hoffe ihr könnt mir mit einer Frage eines Freundes weiterhelfen. Er keine Aussage zu Konsumverhalten o.ä. gemacht. Er wurde aufgrund eines WhatsApp-Verlaufes (Mai 2016) bei der Polizei vorgeladen. Das Gericht warf dem Beschuldigten vor, Cannabis durch den Chatverlauf ersichtlich, erworben zu haben. Die Person hat dazu keine Angaben gemacht. Verurteilt wurde die Person zu einer Geldstrafe. Jetzt hat die Führerscheinstelle angeklopft, es gibt Zweifel an der Fahrtauglichkeit – weder wurde die Person jemals aufgehalten, noch wurde etwas bewiesen, noch wurden bisher Aussagen getätigt. Wie verhält er sich am besten bei der Behörde? Ein Führerscheinverlust wär wegen Umzug und neuen Job sein Tod. Danke!

  12. gruenehilfebw Says:

    @Tobster: Kann man so nicht sagen ohen Kenntnis der Akte. Am besten mich anrufen und dann können wir sehen!

  13. Berhan Dogan Says:

    Hallo könnten sie mich anrufen xxxxxx danke!?

  14. gruenehilfebw Says:

    Ich habe dein Tel. anonymisiert. Bitte ruf uns an!

  15. Nico Says:

    Hey,

    ich hätte eine Frage. Ich muss eine Geldstrafe zahlen wegen Cannabisbesitz. Dies wurde im Rahmen einer Hausdurchsuchung, bei der es nicht um BtM ging per „Zufallsfund“ gesichert. Die Hausdurchsung war im Mai 2017. Der Bescheid über die Strafe kam erst vor 3 Tagen.

    Frage: Muss ich um meinen Führerschein bangen?

    Ich habe keinerlei Angaben zu meinem Konsum oder sonstiges gemacht!

    Besten Dank im Voraus!

    MfG

  16. Stefan Says:

    Hallo ich habe ein riesiges Problem. Ich wurde von der Polizei auf der Autobahn angehalten. Es war eine Personen/fahrzeugkontrolle. Ich stand nicht unter direktem Einfluss Ich habe den Abend zuvor mit Freunden geraucht,und auch einige Tage zuvor mehrmals. Was aber generell auch nicht allzuoft vorkam, da ich zum Zeitpunkt Urlaub hatte und mit Koffern mein Haus umgebaut habe. Gerade in dem Monat mai in dem ich angehalten wurde, machte die Polizei einen urintest und hinterher eine blutentnahme. Fazit 4ng im Blut. Die Polizei verlangte nur das ich mein Auto nach der Befragung auf der Wache stehen lassen soll, ich es aber nach 12 Stunden wieder fahren darf. Mir wurde der Führerschein nicht entzogen. Auch nach diversen Tests der Polizei gab es bei mir keine Ausfallerscheinungen. Darauf hin nahm ich mir einen Anwalt da mir die führerscheinbehörde wahrscheinlich bald schreiben wird. Ich kann meinen Führerschein nicht verlieren da Kind, Haus , Arbeit u. Frau. Auch finanziell kann ich es mir nicht erlauben. Wie soll ich vorgehen. Ich habe natürlich ab diesem Tag nicht mehr gekifft. Bitte um Hilfe. Ich finde das so ungerecht… wenn ich sonst geraucht habe bin ich wochenlang kein Auto gefahren sondern hab mich von meiner Frau fahren lassen.

  17. Karl Says:

    Hallo liebe Leute,

    Ich wurde, wie viele andere hier auch, ebenfalls vor kurzem angehalten und zu einer Blutabnahme mitgenommen. Habe natürlich sämtliche Tests abgelehnt sowie die Entnahme verweigert. Natürlich auch keine Angaben zum Konsumverhalten gemacht. Ich bin in keinerlei weise vorbestraft, doch als Dauerkonsument natürlich auf ein für mich belastendes Ergebnis gefasst. Konsum ist seitdem vollständig eingestellt. Hab mich bereits gut informiert und einen sehr erfahrenen Anwalt aus der Region auf meiner Seite. Hätte da jedoch noch ungeklärte Fragen sowie Interesse an den nicht öffentlich genannten Möglichkeiten. In diesem Sinne würde ich gerne ein Telefonat mit Ihnen führen wie es passt! Es passierte vor 3 Tagen und somit heißt es erstmal noch abwarten, aber trotzdem informieren. Mfg

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